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Unheimlich in der Nacht und heimlich am Tag

Auf den Spuren des Ziegenmelkers

Exkursionsleitung: Udo Steinhäuser

In der Nadelstreu auf dem Waldboden sitzt ein brütendes Ziegenmelkerweibchen. Es ist extrem gut getarnt.
Wer hat ihn sofort entdeckt? | Foto: Monty Erselius 2025, NSG Marienfließ

Der Ziegenmelker oder die Nachtschwalbe gehört zu den bemerkenswertesten Vogelarten im Naturschutzgebiet Marienfließ. Das Gebiet zählt sogar zu den bedeutendsten Brutgebieten dieser seltenen Art in Norddeutschland. Als Gebietsbetreuer und langjähriger Kenner der Ziegenmelker wird Udo Steinhäuser auch in diesem Jahr mit Fakten und Anekdoten durch das Gebiet führen. 

Wann: Am 12.06.2026 um 21:30 Uhr

Wo: Naturschutzgebiet Marienfließ (Retzower Heide)

Mitbringen: Taschenlampe (nur für Notfälle), offene Ohren für die Stimmen der Nacht

Treffpunkt: Waldparkplatz Retzow

Tarnkünstler mit verräterischem Gesang

Der Ziegenmelker ist ein nachtaktiver Insektenjäger, der tagsüber regungslos auf dem Boden oder auf Ästen ruht. Sein grau-braunes Gefieder tarnt ihn hervorragend zwischen Sand, Heidekraut und Kiefernnadeln. Oft verrät ihn erst sein charakteristischer Gesang nach Sonnenuntergang: ein lang anhaltendes, schnurrendes Geräusch der Männchen, das in der Dämmerung an das Surren einer Nähmaschine erinnert.

Charaktervogel der Heidelandschaft mit optimalen Lebensbedingungen

Für die Nachtschwalbe bietet das Naturschutzgebiet Marienfließ ideale Lebensbedingungen. Die ausgedehnten Heideflächen, Sandmagerrasen und lichten Kiefernwälder entstanden auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz. Gerade diese nährstoffarmen, offenen Landschaften mit vielen Insekten sind für die Art lebenswichtig.

Besonders bemerkenswert ist der Bestand: Im Gebiet wurden in den letzten Jahren regelmäßig deutlich über 100 schnurrende Männchen (Reviere) erfasst. Damit beherbergt das Gebiet einen bedeutenden Teil des regionalen Bestandes. Der Ziegenmelker ist deshalb ausdrücklich als wertgebende Vogelart des europäischen Vogelschutzgebietes und des Naturschutzgebietes genannt.

Highlight für Vogelfreunde und Naturliebhaber

Wer den Vogel erleben möchte, hat die besten Chancen an warmen, windstillen Juniabenden. Kurz nach Sonnenuntergang beginnen die Männchen mit ihrem schnurrenden Balzgesang. Mit etwas Glück sieht man die Vögel lautlos über den Heideflächen auf Insektenjagd gleiten. Dabei wirken ihre Flüge fast fledermausartig.

Ein schöner Gedanke: Die heute so wertvollen Heideflächen des Naturschutzgebietes entstanden durch die frühere militärische Nutzung. Nach dem Abzug der Truppen entwickelte sich daraus ein Refugium für seltene Arten – und der Ziegenmelker fand hier eine seiner wichtigsten Heimstätten in der Region.

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